Die Wildnis spüren

Eine Wanderung durch den ältesten deutschen Nationalpark - den Bayerischen Wald

Zur Wanderung in den Nationalpark starten wir direkt an unserer Pension. Wir gehen zur nahgelegenen Haltestelle und steigen in den Wanderbus. Der sogenannte "Igelbus" bringt uns von Riedlhütte über Spiegelau zum Ausgangspunkt Gfäll. Von hier aus wandern wir den Bärlappweg über das Waldschmitthaus zum Rachel.

Andreas Riedmiller ©

Ein Blitzer für Wildtiere

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Als wir in den Waldweg einbiegen, werden wir geblitzt. Fritz, der Waldführer, lacht und klärt uns auf. Hier sind zwei Kameras als Fotofallen für Luchse aufgebaut. Forscher wollen herausfinden, wie sich Luchse im Nationalpark bewegen. Luchse sind extrem scheue, gut getarnte Einzelgänger. Perfekt passt sich ihr braun geflecktes Fell der Umgebung an, man bekommt sie praktisch nie zu Gesicht.

"Die Wildtierkamera knippst alles, was ihr vor die Linse kommt. Auf dem Kamera-Chip sind sogar Elche entdeckt worden, die durch den Bayerischen Wald stromern. Luchse sind sehr selten auf dem Foto. Für Forscher ist es ein Ereignis, wenn ein Luchs aufgenommen wurde", sagt Fritz, unser Guide.

Tiere sehen wir wenig, denn sie sind meist nachtaktiv oder in der Dämmerung unterwegs. Man sieht aber ihre Spuren, die Geschichten erzählen, die Fritz lesen kann. Fritz ist ausgebildeter Waldführer des Nationalparks. Er ist Teil des Waldes. Mit seinem olivgrünen Dress verschmilzt er gut getarnt mit der Umgebung. Seine Erzählungen haben Tiefe und sie lassen keine Langeweile aufkommen.

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Im Bergmischwald

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Der Weg führt durch den Bergmischwald, es sind etwa 500 Höhenmeter zum Rachel-Gipfel. Für kurze Zeit blinzelt die Herbstsonne durch die Baumstämme und lässt die Blätter der Rotbuche im Gegenlicht aufleuchten.

Neben dem Wanderweg liegen abgestorbene Bäume, silberfarbene Baumskelette und umgestürzte Wurzelteller der Fichten. Die Landschaft sieht im Nebel unwirklich aus. Die Spur des Weges verliert sich in der Ferne. Gut, dass ich mit dem Waldführer unterwegs bin.

Vor vielen Jahren hat ein Orkan fast alle Fichten umgeworfen. Die wenigen, die noch standen, wurden vom Borkenkäfer befallen. Der Borkenkäfer oder Buchdrucker, wie er genannt wird, hatte den Wald fest im Griff. Für die einen war der Borkenkäfer der Totengräber des Waldes. Für Naturschützer ist der Käfer Teil der natürlichen Prozesse, die im Wald ablaufen.

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"Natur Natur sein lassen!"

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Die Entscheidung im Nationalpark war: "Natur Natur sein lassen!" Der Borkenkäfer schafft Platz für Neues und der Wald regeneriert sich, wenn er Zeit dazu hat. Die Natur hat ihren eigenen Plan, der vom menschlichen Profitdenken abweicht.
Ein Umdenken erforderte dies bei den Anwohnern im Bayerischen Wald. Nicht alle waren bereit, das Absterben vieler Bäume aus dem Blickwinkel der Natur und der Ökologie zu betrachten. Heute, nach dreißig Jahren, sieht man: Es hat sich gelohnt. In den Hochlagen des Nationalparks wächst an vielen Stellen ein lebendiger junger Wald nach.

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Zurück zur Wildnis

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Der Drang nach Leben und, nach Licht und Sonne lässt die Samen von Pflanzen und Bäumen keimen. Jede Nische wird für neues Wachstum genutzt. Einen Vorsprung haben jene Bäumchen, die auf liegenden Stämmen oder großen Steinen zu keimen beginnen. Ein stufiger, artenreicher Wald aus Fichten, Tannen, Bergahorn, Buchen und Vogelbeeren entwickelt sich. Es ist unmöglich, zu Fuß durch dieses Wirrwarr an Stämmen, Brombeerranken und Sträuchern zu kommen. Der Forst entwickelt sich im Nationalpark in einen Urwald zurück. Die Kernzone des Schutzgebietes ist reserviert für Tiere, die hier völlig ungestört leben können.

Inzwischen sind wir am steinigen Gipfel des Großen Rachel angekommen. Von dort wandern wir hinunter zur Rachelkapelle und zum malerisch gelegenen Rachelsee. Das letzte Wegstück führte zur Rachel-Diensthütte. Hier endet unsere Wanderung, und wir fahren mit dem "Igelbus" nach Riedlhütte zurück.

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Mobil vor Ort

Im Bayerischen Wald bieten 21 Gemeinden ihren Gästen ein besonderes Bonbon: Das Gästeservice-Umwelt-Ticket (GUTi). Dort gilt es als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr für beliebig viele Fahrten, an jedem Tag Ihres Aufenthaltes. Die GUTi-Gästekarte erhalten Sie kostenlos direkt bei der Ankunft von Ihrem Beherbergungsbetrieb.

Meine Tipps

Das Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus

Das Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau ist die beste Anlaufstelle, um sich zu informieren. Hier gibt es gute Beratung für Wanderungen im Nationalpark.
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Der Baumwipfelpfad

Der 25 Meter hohe und 1,3 Kilometer lange Baumwipfelpfad ist interessant für Kinder und Familien und bietet spannende Perspektivwechsel.
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Das Tiergehege am Nationalparkzentrum Lusen

Auf dem sieben Kilometer langen Rundweg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Hier können Sie Tieren begegnen, die im Nationalpark leben. Die Anlagen sind natürlich und großzügig gebaut. Die Tiere können selbst entscheiden, ob sie sich dem Besucher zeigen wollen.
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