Mit uns wurde München olympiareif


"Schneller zur Stadt, schneller nach Hause" - so stand es im Sommer 1966 auf der Bautafel, die über den Bau der 4,2 km langen Stammstrecke quer durch die Münchner City informierte. Dieser Stammstreckentunnel ist auch heute noch das Herzstück des Münchner S-Bahn-Systems.

Begonnen hatte der Bau eines Schnellbahnnetzes in München bereits Jahrzehnte vorher. Am 22. Mai 1938 wurde der erste Spatenstich für die Bauarbeiten gesetzt, die allerdings wenig später kriegsbedingt eingestellt wurden. 1965 schlossen Bund, Freistaat, Landeshauptstadt München und die damalige Deutsche Bundesbahn einen Vertrag über den Bau der Münchner S-Bahn.

Als im April 1966 München den Zuschlag für die XX. Olympiade 1972 erhielt, konnten Planung und Bau mit Hochdruck vorangetrieben werden. Pünktlich vor der Eröffnung der Spiele wurde das Münchner S-Bahn-System in Betrieb genommen.

Vorstellung ET 420

Neben der Untertunnelung der Münchner Innenstadt musste die gesamte Infrastruktur ausgebaut werden. Das Schienennetz der Vorortbahnen wurde umgerüstet und modernisiert. Zahlreiche Stationen mussten erneuert werden. Alle Baumaßnahmen fanden unter extremem Zeitdruck statt.

Am 28. April 1972 war es soweit: Rechtzeitig zu Beginn der XX. Olympiade nahm die S-Bahn München mit 11 Linien ihren Fahrbetrieb auf. Dieses Streckennetz wurde in mehreren Ausbauschnitten erweitert. Zwischen 2001 und 2005 erfuhr die S-Bahn München eine deutliche Verbesserung ihrer Infrastruktur, um die nötigen Kapazitäten für den 10 Minuten-Takt zu schaffen. Das 266 Millionen Euro schwere Ausbauprogramm wurde vom Freistaat Bayern finanziert und umfaßte u.a. die folgenden Maßnahmen:
- Eigene S-Bahngleise Dachau – Obermenzing
- Zweigleisiger Ausbau Giesing – Deisenhofen
- Umfahrung Berg am Laim zur Trennung von S-Bahn und Regionalverkehr
- Einführung einer neuen und leistungsfähigeren Signaltechnik auf der Stammstrecke (Linienzugbeeinflussung)

Seither fahren auf der Stammstrecke zwischen Ostbahnhof und Pasing in der Hauptverkehrszeit bis zu 30 Züge pro Richtung und Stunde. Auf keiner Eisenbahnstrecke in Europa gibt es eine höhere Zugdichte.
Da sich der Großraum München weiterhin sehr dynamisch entwickeln wird und die Nachfrage nach umwelfreundlicher und schneller Mobilität weiterhin steigt, ist ein weiterer Ausbau der S-Bahn München erforderlich.

Derzeit sind mehrere Projekte in der Planung bzw. in der Diskussion. Dazu gehören u.a. eine verbesserte Anbindung des Flughafens aus Richtung Erding und Freising, der 2. Stammstreckentunnel zwischen Laim und Leuchtenbergring, die Verlängerung der S 7 ins Mittelzentrum Geretsried, die Elektrifizierung der Linie A zwischen Dachau und Altomünster (Baubeginn 2013) und der neue Bahnhof in Freiham auf der Linie S 8 (Inbetriebnahme Mitte 2013).