Vom Acker zur neuen Landschaft
Als wir Mona, Projektingeneurin im Umweltteam bei der 2. Stammstrecke, auf der Ausgleichsfläche in Germering treffen, fühlen wir uns fast wie in einem Bilderbuch: Die Sonne strahlt, Blumen blühen, Vögel zwitschern und ein kleines Mädchen saust mit so beeindruckendem Tempo auf dem Laufrad an uns vorbei, dass der joggende Vater kaum hinterherkommt. „Noch im letzten Sommer war hier nur ein gewöhnlicher Acker“, erklärt uns Mona. Seitdem ist hier auf der Fläche von ca. 20 Hektar, also fast dreißig Fußballfeldern, offensichtlich schon viel passiert. Aber wie kam es denn überhaupt dazu? Die Umweltingenieurin erklärt uns: „Naturschutz wird bei allen Bauprojekten von Anfang an mitbedacht, aber so ein Großprojekt wie die 2. Stammstrecke kommt leider nicht ohne Eingriffe in die vorhandene Natur aus. Wir versuchen möglichst immer den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, ansonsten wird an anderer Stelle ein ökologischer Ausgleich bzw. Ersatz geschaffen.“ Wie hier bei der S-Bahn Station Harthaus also. Das Projekt dauert noch stolze 23 Jahre, und, dass die vereinbarten Ziele auch erreicht werden, wird ständig von unabhängiger Stelle überprüft.
Rund ums Reptilienhotel summt es
Klar, dass es für Fußgänger:innen und Naturfreund:innen wie uns in so einer bunten und lebendigen Umgebung viel zu entdecken gibt: „Vor allem die streng geschützte Zauneidechse kann man gut beobachten.“ Wenn Mona von ihr spricht, leuchten ihre Augen. Denn das groß angelegte Reptilienhabitat an der Seite der A99 ist wohl das Herzstück der Fläche. Die kleinen Echsen fühlen sich normalerweise zwischen Steinen und Sträuchern von Bahnschienen pudelwohl. Aufgrund der Bauarbeiten mussten sie ihr urbanes Leben allerdings aufgeben, wurden umgesiedelt und genießen nun die Landluft in einem luxuriösen Reptilien-Ressort zwischen Sand, Steinen, Wurzelstubben und Sträuchern. Jedes Detail ist optimal aufeinander abgestimmt, sodass keine Echsenwünsche offenbleiben. Und damit das so bleibt, hat Mona auch eine Bitte an Besucher: „Bitte nichts umräumen, besonders die Steine nicht stapeln oder sie vielleicht mit einer öffentlichen Grillfläche verwechseln.“ Vögel, aber auch Menschen, freuen sich über die 26 neuen Bäume, die in wenigen Jahren zusammen mit den bereits bestehenden Bäumen eine prächtige und vor allem schattige Baumallee bilden werden. Aber auch an Insekten wurde mit dem Anbau des Magerrasens gedacht. Der zaubert aus dem kargen Acker nämlich „verschiedene Blühflächen und Pflanzenbereiche.“ Zu beobachten sind dort unter anderem Hummeln, Schmetterlinge und Bienen. Und die ziehen wiederum ein ganzes Münchner Filmteam an …
Und dann war da noch die Drohne …
Bei unserem Besuch entstehen auch Aufnahmen für die Dokumentation „Ein Himmel voller Bienen“ der Münchner Filmemacherin Vanessa. Die Fläche bietet mit ihren Blühbereichen, Wegen und offenen Landschaften zahlreiche spannende Motive. Einige davon hält das Filmteam an diesem Tag mit der Drohne fest. Wer neugierig geworden ist, kann sich die Fläche auch selbst einmal ansehen.